Regionalplanung Wind: Verantwortung übernehmen statt Probleme vertagen!

Holger Kippenhahn

Auf der Sitzung der Regionalversammlung Prignitz-Oberhavel am 15. Juni 2026 in Kyritz wurde eine wichtige Weichenstellung für die zukünftige Windenergieplanung in unserer Region getroffen. Der zweite Entwurf des Regionalplans „Windenergienutzung 2024“ wurde trotz erheblicher Widerstände von Bürgerinitiativen und einzelnen Kommunen mit Mehrheit beschlossen.

Diese Kritik darf nicht einfach beiseitegeschoben werden. Viele Menschen vor Ort erleben die Auswirkungen des Windenergieausbaus unmittelbar. Ihre Sorgen müssen ernst genommen werden. Gleichzeitig müssen gewählte Vertreterinnen und Vertreter Verantwortung übernehmen und Lösungen finden. Denn die Alternative zu einem rechtzeitig beschlossenen Regionalplan wäre keine bessere Steuerung der Windkraft – sondern weniger Steuerung. Ohne Erreichen der gesetzlichen Flächenziele droht ein deutlich unkontrollierter Ausbau. Dann würden nicht mehr regionale Planung und demokratische Abwägung bestimmen, wo Anlagen entstehen.

Für uns Linke ist klar: Die Energiewende braucht Akzeptanz. Akzeptanz entsteht nicht durch ein Gegeneinander von Klimaschutz und Bevölkerung, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen, faire Lastenverteilung und eine starke öffentliche Steuerung. Deshalb war der Grundgedanke des Antrags des Perleberger Bürgermeisters Axel Schmidt richtig: Bestehende Windstandorte müssen stärker berücksichtigt werden. Es ist schwer vermittelbar, neue Landschaftsräume in Anspruch zu nehmen, wenn bereits belastete Standorte mit vorhandener Infrastruktur genutzt werden können. Der Antrag selbst fand jedoch keine Mehrheit, weil die Umsetzung im laufenden Verfahren erhebliche rechtliche Unsicherheiten bedeutet hätte.

Durchgesetzt hat sich dagegen ein gemeinsamer Änderungsantrag der Linken-Regionalräte Ralf Wunderlich (Landkreis Oberhavel), Roland Weber (Landkreis Prignitz) und Holger Kippenhahn (Landkreis Ostprignitz-Ruppin). Dieser wurde mit großer Mehrheit beschlossen. Damit gibt es einen klaren politischen Auftrag: Bei der Fortschreibung sollen bestehende und bereits genehmigte Windenergieanlagen sowie geeignete kommunale Windflächen stärker berücksichtigt werden. Zugleich sollen Vorranggebiete ohne vorhandene Anlagen kritisch überprüft werden.

Das ist der Unterschied zwischen einfacher Ablehnung und verantwortlicher Gestaltung: Wir sichern jetzt einen rechtssicheren Regionalplan und kämpfen gleichzeitig dafür, ihn gerechter weiterzuentwickeln. Die Energiewende ist notwendig – aber sie wird nur erfolgreich sein, wenn sie demokratisch, sozial gerecht und gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt wird.

Nicht ungesteuerter Wildwuchs, sondern öffentliche Planung und faire Lösungen sind der richtige Weg.